Ab wann heizen im Herbst – und wie am besten?

veröffentlicht am

Hand stellt den Thermostatkopf an einem Heizkörper ein

Ratgeber für die Übergangszeit: Wann die Heizung starten soll, wie man richtig heizt und wann die Klimaanlage die bessere Zwischenlösung ist.

Der erste kühle Morgen kommt jedes Jahr überraschend. Draußen zehn Grad, drinnen noch sommerliche Gewohnheiten – und die Frage, die in fast jedem Haushalt diskutiert wird: Drehen wir jetzt schon auf oder halten wir noch durch?

Ab wann heizen?

Nicht der Kalender entscheidet, sondern das Thermometer

Es gibt kein Datum, an dem die Heizsaison beginnt. Entscheidend ist, wie warm es in den Räumen tatsächlich ist – und wie schnell sie auskühlen.

Als Orientierung hat sich bewährt:

  • Fällt die Raumtemperatur an mehreren Tagen hintereinander unter 19 bis 20 Grad, ist es Zeit.
  • Liegt die Außentemperatur tagsüber dauerhaft unter 15 Grad, kommt ein durchschnittlich gedämmtes Haus ohne Heizung nicht mehr aus.
  • Bei einem gut gedämmten Neubau liegt diese Grenze deutlich tiefer, oft erst bei 10 bis 12 Grad.

Ein älteres Haus im Weinviertel braucht die Heizung also meist Wochen früher als ein Neubau von nebenan. Das ist kein Fehler, sondern eine Frage der Bausubstanz.

Der häufigste Fehler: das Haus erst auskühlen lassen

Viele warten so lange wie möglich, weil sie glauben, jeder nicht geheizte Tag sei gespartes Geld. In der Praxis ist oft das Gegenteil der Fall.

Mauern, Estrich und Möbel speichern Wärme. Ist diese Masse einmal ausgekühlt, braucht das Wiederaufheizen deutlich mehr Energie – und die Heizung muss dafür mit höheren Temperaturen arbeiten, also genau in dem Bereich, in dem sie am wenigsten effizient läuft.

Günstiger ist der umgekehrte Weg: früh beginnen, dafür sanft. Eine Heizung, die im Oktober mit niedriger Vorlauftemperatur mitläuft, verbraucht weniger als eine, die im November ein kaltes Haus wieder hochziehen muss.

Dazu kommt ein Punkt, den man erst im Frühjahr bemerkt: Kühle Wände und feuchte Herbstluft sind die klassische Kombination für Schimmel in den Ecken. Ein leicht temperiertes Haus ist auch ein trockenes Haus.

Wie heizt man im Herbst am besten?

Konstant statt in Sprüngen

Heizkörper aufdrehen, wenn es kalt ist, und wieder zudrehen, wenn es warm wird – das kostet mehr, als es spart. Stellen Sie eine Temperatur ein, bei der Sie sich wohlfühlen, und lassen Sie sie stehen. Die Regelung erledigt den Rest.

Bei einer Fußbodenheizung oder einer Wärmepumpe gilt das besonders. Beide arbeiten träge und mit niedrigen Temperaturen. Eine kräftige Nachtabsenkung bringt hier meist nichts – der Mehraufwand am Morgen frisst die Ersparnis der Nacht wieder auf.

So niedrig wie möglich

Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur macht die Heizung sparsamer. Bei den meisten Anlagen ist die Heizkurve höher eingestellt, als es das Haus braucht – oft noch aus einer Zeit vor der letzten Fenster- oder Dämmsanierung.

Das lässt sich prüfen und anpassen. Wir machen das beim Service mit, es kostet keine zusätzliche Anfahrt und wirkt sich den ganzen Winter aus.

Stoßlüften statt Kippfenster

Ein gekipptes Fenster kühlt die Wand rundherum aus und tauscht dabei kaum Luft. Besser: zwei- bis dreimal täglich für fünf Minuten weit öffnen, am besten quer durchs Haus. Die Luft ist danach frisch, die Wände bleiben warm.

Die kleinen Dinge, die wirklich etwas bringen

  • Heizkörper freihalten. Ein Vorhang oder ein davorgestelltes Sofa kostet spürbar Leistung.
  • Gluckert es im Heizkörper oder wird er oben nicht warm, ist Luft im System – entlüften hilft sofort.
  • Werden manche Räume nie richtig warm und andere überheizt, fehlt meist der hydraulische Abgleich. Das ist eine einmalige Sache mit dauerhafter Wirkung.
  • Thermostatköpfe, die älter sind als zehn Jahre, regeln oft nicht mehr sauber. Der Tausch ist günstig.

Die Klimaanlage als Zwischenlösung im Herbst

Wer eine Split-Klimaanlage im Haus hat, besitzt genau genommen bereits eine kleine Wärmepumpe. Fast alle modernen Geräte können nicht nur kühlen, sondern auch heizen – und viele Kundinnen und Kunden wissen das gar nicht.

Für die Übergangszeit ist das eine ausgesprochen praktische Sache.

DAFÜR SPRICHT

  • Der Raum ist in wenigen Minuten warm – nicht erst nach zwei Stunden wie bei einer Fußbodenheizung.
  • Es wird nur dort geheizt, wo tatsächlich jemand sitzt. Für einen kühlen Abend im Wohnzimmer muss nicht das ganze Haus anspringen.
  • Bei milden Außentemperaturen arbeitet ein Splitgerät sehr effizient. Genau diese milden Tage hat der Herbst.
  • Die eigentliche Heizung bleibt aus – kein Kesselstart, kein Brennstoff, keine kurzen Takte für ein bisschen Wärme.
  • Wer Photovoltaik am Dach hat, heizt an sonnigen Herbsttagen zu einem guten Teil mit dem eigenen Strom.

DAS GEHÖRT DAZUGESAGT

  • Warm wird es nur in den Räumen, in denen ein Gerät hängt.
  • Die Wärme kommt über die Luft. Wer die stille, gleichmäßige Wärme einer Flächenheizung gewohnt ist, merkt den Unterschied.
  • Das Innengerät ist im Betrieb hörbar. Im Wohnzimmer stört das selten, im Schlafzimmer ist es eine Frage des Empfindens.
  • Im tiefsten Winter ist die Klimaanlage die Ergänzung und nicht der Ersatz für die Heizung.
  • Filter und Wartung gehören dazu, sonst geht Leistung verloren.

Unser Rat: Nutzen Sie die Klimaanlage im September und Oktober für die kühlen Abende und starten Sie die Heizung erst, wenn es wirklich dauerhaft kühl bleibt. Das verkürzt die Heizsaison um mehrere Wochen – und diese Wochen sind bei jedem System die teuersten, weil die Anlage dabei nur kurz und ineffizient läuft.

Hinweis: Das funktioniert auch umgekehrt: Wer ohnehin über eine Klimaanlage für den Sommer nachdenkt, bekommt die Heizfunktion für die Übergangszeit gratis dazu. Bei der Planung sollte man das trotzdem erwähnen – Aufstellort und Gerätegröße wählt man dann etwas anders.

Was jetzt noch zu erledigen ist

  • Service vor der Saison. Eine gewartete Anlage startet zuverlässig und verbraucht weniger. Im November rufen alle gleichzeitig an – im September bekommen Sie den Termin, den Sie wollen.
  • Brennstoff rechtzeitig bestellen. Pellets und Stückholz sind vor der Heizsaison meist günstiger und schneller verfügbar.
  • Heizung einmal probelaufen lassen. Lieber jetzt feststellen, dass die Umwälzpumpe steht, als am ersten Frostwochenende.
  • Thermostate und Heizkörper durchgehen. Fünfzehn Minuten, die den ganzen Winter angenehmer machen.

Kurz gesagt

  • Nicht das Datum entscheidet, sondern die Raumtemperatur. Unter 19 bis 20 Grad wird geheizt.
  • Früh und sanft heizen ist günstiger als spät und kräftig.
  • Konstante, niedrige Temperaturen schlagen jedes Auf und Zu.
  • Fünf Minuten stoßlüften statt Fenster kippen.
  • In der Übergangszeit ist die Klimaanlage oft die klügere Wärmequelle als die große Heizung.

Sie sind sich nicht sicher, ob Ihre Heizung richtig eingestellt ist?

Wir schauen uns das beim Service an – Heizkurve, Abgleich, Thermostate. Und wenn eine Klimaanlage für Ihr Haus sinnvoll ist, sagen wir Ihnen ehrlich, für welche Räume sie sich rechnet und für welche nicht.